In aller Munde. Jeder will. Auch wenn er eigentlich gar nicht so richtig versteht um was es da eigentlich geht. Lustig, wenn es nicht so ernst wäre.
Seit Anbieter wie Amazon und Google u.a. diese Möglichkeit der "Auslagerung" eigener Dateien auf die Server erstgenannter anbieten - scheint sich in der Allgemeinheit ein Gefühl eingestellt zu ahben dass in der Euphorie bemessen so aussieht als ob eine digitale Zeitenwende eingetreten sei. Wieder einmal. Das hatten wir schon. Mit web ZweiPunktNull. Herausgekommen ist.... null. Eigentlich.
Und jetzt wieder: alle faseln "Cloud-Computing" - die digitale Revolution. Eine Revolution? Weil man seine sensiblen Daten wie Geschäftskorrespondenz und Sammlungen quasi ins Internet auslagern kann? Damit man von überall aus darauf zugreifen kann? Hm. Das tut mein Webhoster ja aber eigentlich auch. Da hab ich Webspace gekauft und kann von überall aus darauf zugreifen, also nix neues. Aber jetzt das schlagende Kriterium: .... es …KOSTET …NICHTS! Ah so, darum geht es: keine Kosten. Okayokay, das ist natürlich ein Argument. Aber. Es gibt da ein "aber". Schon.
Wenn ich meine hochsensiblen Daten auf den Servern eines amerikanischen Unternehmens lade... - wer garantiert mir dann, dass niemand außer mir darauf zugreifen kann? Äh... - keiner. Wie auch. Da kann noch soviel von Garantie schwafeln dass da niemand Zugriff - wenn die zigmilliardenschweren Dienste auffahren und von nationaler Sicherheit murmeln - müssen alle – aber auch alle mitmachen. Keine Chance sich da querzulegen. Wenn sie weitermachen wollen wie bisher und keine Schwierigkeiten haben wollen mit
Bigbrother der Regierung – müssen sie spuren wenn man ihnen die Sporen gibt. Wenn die Dienste Einblicke in Kundendaten haben wollen - bekommen sie die. Ohne wenn und aber. Egal ob das ebay, Paypal, amazon, itunes oder Google oder was auch immer ist - alle rücken sie raus as sie haben. Und zwar auf dem Silbertablett.
Gut, der alte Spruch: wer nichts zu verbergen hat braucht auch keine Angst zu haben usw. Jaja mag ja schon sein aber das erinnert mich dennoch etwas an den berühmten Ausspruch von
Pastor Niemöller "Als sie die Kommunisten geholt haben, ... usw.". Aber wenn ich immer und immer wieder mitbekomme dass FAST ALLE Unternehmen freiwillig ihre Kundendaten hintenrum an Geheimdienste rausrücken, wird mir schummrig. Okay, ich bin kein Böser - echt nicht: peace on earth - habe also gar keinen Grund mich vor denen zu fürchten... – aber diese Krakenartigkeit macht mir dennoch Angst. Und ich bin mir sicher dass ich bestimmt alles zugeben würde wenn ich 200x watergeboardet werden würde - auch dass ich ein Mädchen bin. Oder den Mond geklaut habe.
Also, wenn ich ein größeres Unternehmen wäre, dass sich im globalen Wettbewerb behaupten muss – hätte ich erst recht jetzt bedenken. Ich erinnere daran, dass jahrelang Büros von EU-Parlamentarier in Brüssel verwanzt waren und bei internationalen Ausschreibungen seltsamerweise stets amerikanische Firmen geradezu hellseherische Fähigkeiten an den Tag legten und die Ausschreibungen regelmäßig gewannen. Bis herauskam, dass die Vettern aus England kräftig mithalfen und dies seit Jahren(!). Das war vielleicht eine böse Überraschung für die ausgebremsten und damit hintergangenen Firmen. Von den abgehörten Hampelmännern und Frauen ganz zu schweigen. Aber es gab glücklicherweise keine Konsequnzen. Okay, die Mikros wurden entfernt. Neues Spiel, neues Glück.
Und eben solche hintergangenen Firmen werden mit Sicherheit NICHT bei solchen Wolkenkuckuckusheimerplänen mitmachen, garantiert nicht. Betriebsspionage lässt sich heute mit so einer freiwilligen Geste der Offenlegung bestens betreiben. Wirtschafts-FKK. Wer mag kann das machen. Die Privatleute? Die ihr Kram auslagern wollen? Das sollten dann allerdings ihre Musiksammlung nur über itunes erworben haben. Also alles schön alles transparent halten, Leute, dann passiert euch auch nichts. Wenn alle artig mitmachen fallen die auf, die nicht mitmachen. Irgendwann.
"Hast du vielleicht etwas zu verbergen?"
Cloud-Computing? Macht doch: ihr gebt damit prima Steilvorlagen zur Profilerstellung für z.B., spätere, konzentrierte Werbung ab. Und man weiß ja auch dann so auf was man so steht. Was ihr so macht. Wer ihr seid. Wie jetzt schon auf Facebook. Aber das ist es ja was die Leute eigentlich wollen: beachtet werden. Okay, in Zukunft werdet ihr garantiert beachtet! Und beobachtet. Und registriert. Und eingeordnet. Und bekommt ab und zu Post. Maßgeschneiderte natürlich. Um zu konsumieren. Wie in der Nutztierhaltung mit den Milchkühen: ab uns zu wird die Melkmaschine angeworfen. Und wenn man in den Flieger steigt fragt man beim einchecken noch schnell nach wie das Buch denn so war dass man neulich bestellt hat...
Möge jeder auf (s)eine Wolke steigen, ich tue es nicht. Und bleibe lieber auf dem Teppich.