Sonntag, 6. Mai 2012
sueddeutschezeitung: EADS-Mitarbeiter Murat S. war auf dem Weg zum Zug nach Ulm, um seine Eltern zu besuchen. Er zog einen Trolley hinter sich her und aß Pommes frites aus einer Tüte. Plötzlich packte ihn ein Mann mit festem Griff an der Kehle und schrie: "Spuck's aus!" Der 33-jährige S., der durch die Attacke einen Bluterguss am Kehlkopf erlitt und danach eine Woche nicht mehr richtig schlucken konnte, spuckte aus - ein angekautes Stück Pommes.
Das veranlasste den Polizisten allerdings zu keiner Änderung seines Verhaltens, im Gegenteil: Zusammen mit einem Kollegen nahm er Murat S. auch noch fest, sperrte ihn in der Bahnhofsinspektion in eine Zelle und wies ihn an, sich für eine eingehende Drogenkontrolle nackt auszuziehen. Murat S. kam erst wieder frei, als er sich massiv beschwerte und den Beamten mit einer Anzeige drohte. Erinnert mich stark an den ersten Rambo-Film. Es fehlt eigentlich nur die Szene mit dem kalt abspritzen per Feuerwehrschlauch.
Aber es kommt noch besser: ( twister/telepolis:) Der 27-jährige Polizist hatte nach Junkies Ausschau gehalten und war auf Murat S. aufmerksam geworden. Mit seinem Dreitagebart und dem blassen Teint habe S. genau "ins Schema" gepasst, rechtfertigte sich der Polizeibeamte vor dem Richter. [...] "Richter Müller reagierte entsetzt auf das Verhalten des Polizisten: Es habe 'nicht den Hauch eines Anfangsverdachtes' gegen Murat S. gegeben. Es wäre in Ordnung gewesen, dessen Ausweis zu kontrollieren, ein Griff an den Hals habe 'in dieser Situation aber nichts verloren' gehabt, so der Vorsitzende. 'Ihnen hat einfach sein Gesicht nicht gefallen', wirft Müller Julian N. vor, der 'in eigener Großherrlichkeit' gehandelt und 'über die Stränge geschlagen' habe. Dass sich der 33-Jährige in der Polizeiinspektion auch noch völlig nackt ausziehen musste, nannte Richter Müller 'eine Demütigung für einen unbescholtenen Bürger'."
Für den Polizisten Julian N. allerdings war alles in Ordnung, auf einen Strafbefehl mit einer Strafe in Höhe von 90 Tagessätzen reagierte er denn auch mit einem Einspruch, was nun zu einem Schuldspruch mit 120 Tagessätzen führte.
Für den Polizisten ist weiterhin seine Reaktion völlig angemessen, immerhin sei der von ihm angesprochene und angegriffene Herr ja verdächtig aussehend gewesen.
Tut mir leid, aber bei so einer Uneinsicht des Polizeibeamten wäre der konsequente Rausschmiss mit der Empfehlung doch bitte lieber in die französische Fremdenlegion einzutreten besser gewesen.
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